Mieter kämpfen, gewinnen und kaufen zurück: Wie Bewohner ihr Haus gegen einen Investor sicherten
Mieter kämpfen, gewinnen und kaufen zurück: Wie Bewohner ihr Haus gegen einen Investor sicherten
06. August 2026
Mieter übernehmen Verantwortung und sichern ihr ZuhauseIn Augsburg haben 24 Haushalte nach monatelangem Kampf ihr Wohnhaus in der Beethovenstraße zurückgesichert. Nachdem der bisherige Eigentümer die Immobilie verkauft hatte, organisierten sich die Bewohner, verhandelten mit dem Käufer und fanden schließlich einen Weg, das Gebäude zu erhalten.Das ockerfarbene Eckhaus war 70 Jahre im Besitz der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder VBL. Im März 2026 wurde die Liegenschaft an die Gersthofer Firma Solidas veräußert. Für viele Mieter begann damit eine Phase großer Unsicherheit: Manche wohnen seit den 1970er-Jahren in dem Haus, Gemeinschaft und Miete erschienen lange Zeit sicher.Die Bewohner gründeten umgehend einen Verein, nahmen Beratungen zur Genossenschaftsgründung wahr und legten ein Angebot vor. Als Solidas als Käufer feststand, intensivierten sie die Verhandlungen und suchten Unterstützer. Die Verbindung zur Siedlungsgenossenschaft Firnhaberau erwies sich als entscheidend: Die Genossenschaft erklärte sich bereit, das Haus zu übernehmen, wenn die Haushalte sich mit Genossenschaftsanteilen beteiligen.Die Parteien verhandelten anonym über ihre individuellen Beiträge, bis die geforderte Summe zusammenkam. Nach zwei Runden war das Finanzierungsziel von etwa 800 000 Euro erreicht. Ab dem 1. August treten die neuen Nutzungsverträge in Kraft. Weitere Regelungen zu Mitbestimmung bei Vermietungen und Sanierungen sollen nachverhandelt werden.Für die beteiligte Genossenschaft hat der Vorgang Signalwirkung. Die Verantwortlichen verlangen eine stärkere Rolle von Politik und Verwaltung bei der Steuerung von Immobilienverkäufen und sprechen sich für Vorkaufsrechte beziehungsweise koordinierendes Beobachten internationaler Ausschreibungen aus. Ziel sei, bestehenden Wohnraum sozial verantwortlich zu erhalten und regionalen Akteuren den Vorzug zu geben.Die Augsburger Mieter bezeichnen ihr Ergebnis als Mischung aus Hartnäckigkeit und Glück. Vorstand und Bewohner sehen in der Einigung nicht nur den Erhalt von Wohnungen, sondern auch eine Stärkung der nachbarschaftlichen Gemeinschaft.
Der Bericht stützt eine Nachricht von: augsburger-allgemeine.de