Geförderter Wohnungsbau in Augsburg öffnet sich auch für Haushalte mit hohen Einkommen
Geförderter Wohnraum erreicht zunehmend Haushalte mit mittleren und hohen Einkommen
Augsburg. In einem Neubauprojekt in Pfersee stehen moderne Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser in strahlendem Weiß, Balkone sind mit Pflanzen und Sitzgruppen möbliert, und viele Blicken auf einen gepflegten Gemeinschaftsbereich. Auf den ersten Blick wirkt hier nichts nach Sozialstigma. Dennoch sind 85 der 211 Wohnungen des Projekts gefördert und damit für Menschen mit Wohnberechtigungsschein zugänglich.
Bauherr Benjamin Dierig widerspricht gängigen Vorurteilen: «Es gibt viele Klischees über geförderten Wohnbau, aber viele treffen nicht zu», sagt er. In seinem Projekt können selbst Haushalte mit relativ hohen Jahresbruttoeinkommen in Förderstufe drei Anspruch auf Mietzuschuss haben. Für eine Familie mit zwei Kindern liegt die Höchstgrenze laut Stadt bei bis zu 102 000 Euro Jahresbrutto.
Warum auch Gutverdiener förderberechtigt sind
Der Grund liegt in den Stufenmodellen der Förderung: Je nach Einkommenshöhe gewährt die öffentliche Hand gestaffelte Zuschüsse zur Miete. In der Praxis bedeutete das in diesem Projekt zuletzt eine Differenz von rund 6,50 Euro pro Quadratmeter zwischen frei finanzierter Neuvermietung und gefördertem Standard. Für viele Haushalte ist das finanziell relevant, zugleich ist das Wohnungsangebot auf dem freien Markt angespannt.
Die Stadt weist darauf hin, dass ein großer Teil der Bevölkerung theoretisch anspruchsberechtigt wäre: Mehr als 50 Prozent der Augsburgerinnen und Augsburger erfüllten die Voraussetzungen für eine geförderte Wohnung. Zugleich ist die Zahl geförderter Wohnungen seit 2005 deutlich gesunken, von über 12 000 damals auf rund 7 500 Ende 2025. Viele ehemals gebundene Wohnungen fallen nach Ablauf der Bindungsfristen in den freien Markt, und Neubauzahlen konnten den Verlust bislang nicht ausgleichen.
Abstriche und Gleichbehandlung im Inneren
Wer in eine geförderte Wohnung zieht, muss mit bestimmten Beschränkungen leben: Wohnungsgrößen sind an die Haushaltsgröße gebunden, barrierefreie Ausstattungen nehmen Fläche in Anspruch, und bestimmte Grundrisse sind vorgegeben. Dierig betont jedoch, dass ihm Gleichbehandlung wichtig war: «Alle geförderten Wohnungen haben Balkon oder Terrasse, denselben Bodenbelag und die gleiche technische Ausstattung.» Einige geförderte Einheiten verfügen sogar über einen separaten Eingang.
Vermarktung und Realität
Die Vermittlung von Wohnungen in Förderstufe drei gestaltet sich für Vermieter nicht immer einfach. Viele Haushalte mit entsprechendem Einkommen finden auf dem freien Markt Angebote, suchen bewusst größere Auswahl und Flexibilität. Deshalb sind in Augsburg aktuell vergleichsweise wenige Wohnberechtigungsscheine für diese Stufe ausgegeben. Zugleich macht die Differenz zwischen geförderter Miete und Marktmiete die Förderung für einige Bewerber wieder attraktiv.
Die Lage auf dem Augsburger Wohnungsmarkt bleibt angespannt. Projekte wie das in Pfersee zeigen, dass geförderter Wohnungsbau nicht länger nur einem engen Einkommenssegment vorbehalten ist, sondern Teil eines breiteren Versuchs sein kann, knappen Wohnraum mit unterschiedlichen Instrumenten bezahlbar zu halten.
- Projekt Pfersee: 211 Wohnungen, 85 gefördert
- Rückgang geförderter Wohnungen in Augsburg: von etwa 12 023 im Jahr 2005 auf rund 7 500 Ende 2025
- Maximales Jahresbrutto für Förderstufe drei bei Familien mit zwei Kindern: bis zu 102 000 Euro

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